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Montag, 25. März 2013

Attentat in Jugendherberge!

Egal wo man hinsieht, überall findet man gemeine, hinterlistige, böse Menschen. Das können plumpe Taschendiebe sein oder solche, die einen nach 50ct fragen, weil sie angeblich unbedingt eine Fahrkarte kaufen müssen und das Geld dann heimlich für Brötchen oder gar für etwas zu trinken ausgeben. Am verabscheuungswürdigsten sind aber die, die die kleinen wehrlosen Mitglieder unserer Gesellschaft angreifen, die ihren fehlgeleiteten Zorn auf unschuldige Kinderchen fokussieren. In solchen Fällen von zum Himmel schreiender Ungerechtigkeit sind wir Chemiker gefragt, als Retter des Rechts, als Ritter der Witwen und Waisen, als Rächer der Enterbten und als Richter derjenigen, die keine Rechtsschutzversicherung haben. Ich selbst bin einst Zeuge einer solchen Unmenschlichkeit geworden. Während eines Aufenthaltes in einer Jugendherberge mitten in Hessen (ja, ich weiß, aber ich konnte nichts dafür, ich musste dahin) sah ich, wie auf perfide Weise versucht wurde, eine Massenvergiftung zu verursachen.
Wie der Name "Jugendherberge" bereits suggeriert, handelt es sich bei der durchschnittlichen Kundschaft einer solchen Einrichtung um Jugendliche - soweit hätte das auch ein Sprachwissenschaftler wahrscheinlich hinbekommen. Aber noch ein bisschen weiter gedacht: Was können pubertierende Monster fast so gut, wie andere in den Wahnsinn treiben und somit ein fünftel des nationalen Jahresumsatzes an Psychopharmaka verantworten? Essen, und zwar reichlich. In den Mägen von jungen Leuten müssen temporäre Anomalien im Gravitationsgefüge herrschen, hormonregulierte Schwarze Löcher oder ähnliches, anders wären die Mengen an Nahrung die ein einzelnes Kindlein verdrücken kann, nicht zu erklären (und das ist eine völlig objektive Beschreibung der tatsächlichen Begebenheiten, und gibt nicht im Entferntesten meine eigenen Essgewohnheiten wieder). Aber zurück zum Punkt: Wer isst, muss auch trinken und wer schon mal Zeit in einer Jugendherberge verbracht hat, wird wissen, dass diese zu den letzten geheiligten Orten gehören, die noch nicht unter der Gewalt des amerikanischen Softdrink-Kartells stehen, ergo dass es meist nur Wasser gibt. Man muss keinen Master in marktwirtschaftlicher Kriegsführung haben, um zu erraten, dass die deutliche Mehrzahl der H2O-Absorbenten, wenn sie denn die Wahl hat, zu jenem Wasser greifen wird, das zuvor "karbonisiert" wurde. - Kurzer Ausflug in den Purismus: Karbonisieren ist nicht nur ein böses Wort, weil Duden die Schreibweise mit "k" vorgibt, was schlichtweg für die Abwesenheit von jeglichem Hintergrundwissen zum chemischen Kontext spricht, sondern weil es eigentlich ein, wie ich finde, völlig inhaltsfreies Wort ist, da sich nicht in die übliche Nomenklatur für Kohlenstoffverbindungen einbinden lässt. Exkurs beendet. - Jetzt nochmal alles in einem Satz: Die meisten Menschen in Jugendherbergen trinken Sprudelwasser. Und genau hier setzt die Perversität der Massenvergiftung ein. Üblicherweise geschieht das "Aufsprudeln" (ja, ich werde es ab jetzt vermeiden, dass böse Wort mit K zu benutzen) durch das Lösen von Kohlenstoffdioxid (CO2).
Wie der aufmerksame Beobachter sicher schon bemerkt hat, war das in dieser Jugendherberge allerdings nicht der Fall. Hier wurde Kohlenstoffmonooxid (CO) verwendet. Man ist nun vielleicht geneigt anzunehmen, dass die Änderung im Index keine große Veränderung mit sich zieht, ist ja schließlich nur eine kleine zwei und nicht etwa eine mittlere zwei oder gar eine große... Weit gefehlt!!! Durch das Wegfallen des Index' wird aus dem Gas, das dem Wasser zuvor ein erfrischendes Prickeln verleihen sollte, ein hoch potentes Gift, dass innerhalb von Minuten zum Tod durch Ersticken führen kann. Ein Glück, dass das kriminelle Genie hinter dem ganzen Plan offensichtlich ein Liebhaber der guten Laborpraxis ist und eine korrekte Beschriftung vorgenommen hat, sonst hätte man diese Arglist vielleicht nie aufgedeckt.

Samstag, 2. Februar 2013

pH Wert von Eisen

Der chemisch Interessierte wird sich bei der Überschrift dieses Posts denken: "Metall hat einen pH-Wert? Wusste gar nicht, dass geht, wieder was gelernt." Jeder der schon etwas tiefer in die Materie eingetaucht ist, wird aber wissen, dass das absoluter Schwachsinn ist und per definitionem nicht möglich sein kann. Trotzdem steht es da. Grund dafür, ist eine Aussage, die mir bei meiner Tätigkeit als Tutor einiger Jungchemiker entgegengeschleudert wurde und mich beinahe das Bewusstsein gekostet hätte. Ausgangssituation war die Frage, was die Bausteine eines Atomkerns, Neutronen und Protonen, voneinander unterscheidet. Die gegebene Antwort lautete - und an dieser Stelle sei vorgewarnt, das ist nichts für schwache Herzen: "Die Protonen definieren den pH-Wert eines Atomkerns." Ich weiß, ich weiß, das ist harter Tobak und ich hätte es auch fast nicht über mich gebracht, es hier noch einmal niederzuschreiben, aber ... zu spät...
Zur Verteidigung des jungen Padawans: Tatsächlich haben Protonen einen Zusammenhang mit pH-Werten. Allerdings ausschließlich in Lösungen!!! (und der Einfachheit halber beschränken wir uns in unserer Betrachtung hier mal auf wässrige Lösungen). Der pH-Wert ist nämlich definiert als der negative dekadische Logarithmus der Wasserstoff-Ionen Konzentration, wobei ein Wasserstoff-Ion eigentlich nichts anderes ist als ein nacktes, obszönes Proton. Oder kurz und knackig: pH = - lg([H+]).
Die Definition eines pH-Wertes setzt also vorraus, dass Protonen existieren, die sich in Lösung bewegen können - Bedingungen, die in einem Atomkern und auch in einem ganzen Stück Metall definitiv nicht erfüllt sind... Mir war langweilig, deswegen hab ich es trotzdem mal ausgerechnet ^^'.
Zunächst muss die Konzentration der Protonen im Atom bestimmt werden. Da diese definiert ist als Stoffmenge pro Volumen, erscheint es sinnvoll, sich diese beiden Größe erst einmal zubeschaffen. Beides ist selbstredend elementabhängig, weshalb ich entsprechend der Überschrift Eisen als Beispiel wähle (viel Spaß dabei, den tieferen Sinn dahinter zu finden). Näherungsweise wird das gesamte Volumen des Atoms betrachtet (weil es viel einfacher ist, dafür einen Wert aus der Literatur *hust* Wikipedia *hust* zu picken als für den Kern allein). Das Molvolumen von Eisen beträgt
Vm(Fe) = 7,09 · 10−6 m3/mol. Um das Volumen eines Atoms zu bestimmen, muss dieser Wert nun durch die Anzahl der Atome in einem Mol Eisen geteilt werden (zur Erinnerung: das sind etwa NA = 6,022 · 1023 ) und man erhält Vatom = 1,177 · 10−29 m3 = 1,177 · 10−26 dm3 = 1,177 · 10−26 Liter. In Worten ist das etwa ein quadrilliardstel eines Liters. Nun fehlt noch die Stoffmenge. Ein schneller Blick in das Periodensystem verrät uns, dass Eisen 26 Protonen im Kern trägt. Umgerechnet in Einheiten von NA entspräche das 4,3175 · 10−23 mol. Damit können wir nun endlich die Protonen Konzentration im Eisenatom berechnen und erhalten [H+] = 3667,14 mol/L. Der gübte Stöchiometriker, ahnt schon worauf das hinausläuft. Wenden wir die oben genannte Definiton des pH-Wertes an und bilden den negativen dekadischen Logarithmus, ergibt sich ein atemberaubendes Ergebnis von
pH = - 3,564. Enige Nicht-Chemiker werden sich jetzt fragen, wie ein negativer pH möglich sein soll, da die Skala doch nur von 0 bis 14 geht. Nun das ist durchaus möglich, nur nicht sehr oft der Fall. Um das mal zu vergleichen: Ein Stück Eisen wäre damit 350x saurer als konzentrierte, rauchende Salzsäure (die "rauchend" heißt, weil sie raucht... ernsthaft, wenn man das Pech hat neben einer Buddel von dem Zeug zu stehen und einmal zu tief einzuatmen, kann man sich direkt auf die Transplantationsliste für eine neue Lunge setzen lassen). Was lernen wir daraus? Das nächste Mal, wenn jemand einen Nagel in die Wand hauen will, um ein Bild aufzuhängen, dann tut er das bitte nur mit fünflagigen Nitrilhandschuhen, damit die Fingerkuppen nicht weggeätzt werden.





Mittwoch, 30. Januar 2013

Zombie-Apocalypse

Ich glaube, es ist überflüssig, zu sagen, dass die Menschheit einmal ihrem Untergang entgegentreten muss - in Form von Zombies! Der eine oder andere mag jetzt an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln; diese Blasphemie sollte sich aber mit dem letzten Wort meiner über jeden Zweifel erhabenen Ausführungen stets unanfechtbar realistischer Szenarien gelegt haben. Andernfalls: mein Beileid.
Zunächst einmal: Warum Zombies? Dass es dazu kommen wird, ist eigentlich so offensichtlich wie die Tatsache, dass 1,2,3,4-Tetraethyl-1,2,3,4-carbadodecaboran ein nido-Cluster bildet und ward an jenem schicksalhaften Tag entschieden als Gregor Mendel mit Erbsen und Bohnen spielte und die mächtige Waffe der Genetik in die unfähigen unerfahrenen Hände der Biologen legte. Danke dafür Mr. Mendel! Wahrscheinlich hätte er auch Plutonium an die Nordkoreaner verkauft... Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es einem von Mendels Jüngern aus Versehen gelingt, einen Virenstamm zu erzeugen, der aus Menschen willenlose Monster mit Hang zum Kanibalismus macht und dieses Virus dann auch noch völlig ungewollt auf dem Heimweg in der U-Bahn verteilt, weil...naja Biologen eben, die wissen es nun mal nicht besser. Und schon höre ich wieder die Zweifler in meinem Kopf: "So einen Virus kann es doch gar nicht geben!" Denken wir mal darüber nach, was der eigentlich können müsste. Es gibt keine Notwendigkeit für Auferstehung von den Toten, ergo kein verfaultest Äußeres (wobei man das bestimmt hinbekäme, wenn man ein bisschen Lupus dazukommt, was aber bekanntlich NIE der Fall ist). Außerdem müssten sie sich nicht gezielt von Gehirnen ernähren, einfach nur zubeißen und zerfleischen reicht schon. Gleichzeitig sollten sie aber über ein rudimentäres funktionierendes Nervensystem verfügen, um sich weiterhin eigenständig fortbewegen zu können. In der Essenz heißt das, das menschliche Gehirn müsste so beeinflusst werden, dass es Bewusstsein, Moral und anderen neumodischen mentalen Firlefanz abschaltet und einzig nach den simpelsten Überlebensinstinkten handelt, kurz: Happa-happa! Klar, Gehirnmanipulation klingt schwierig, aber das einzige, was man machen müsste, wäre einen Menschen so hungrig zu machen, dass er ohne zu zögern in seinen Nachbarn beißt. Klingt das immernoch absolut unvorstellbar? (Wenn wir mal ehrlich sind, gibt es heute schon einige "magische" Abnehmpillen, die dieses Potential aufweisen).
Da nun geklärt ist, dass es eine Zombie-Apokalypse geben wird, muss man sich natürlich überlegen, wie man gegen sie vorgehen kann. Es sei vorweggenommen, dass für jedes denkbare Szenario ein fähiger Chemiker unabdinglich ist (im besten Fall sollte er auch noch gut aussehen und über eine gesunde Portion Sarkasmus verfügen, damit er, falls ihm zufällig eine Reporterin über den Weg läuft - was bei Zombie-Apokalypsen gemeinhin oft passieren soll - in die Kamera lächelnd einen todesverachtenden Monolog rezitieren kann, der dann für die Nachwelt festgehalten zum Leitfaden einer neuen, besseren Gesellschaft (wahrscheinlich ohne Biologen) werden wird. Es sei deshalb dringendst geraten, sich frühzeitig möglichst viele Chemiker in den Bekanntenkreis zu holen, damit man im Ernstfall nicht auf die zwielichtigen Gestalten angewiesen ist, die vom rechten Pfad abfielen und sich der dunklen Seite der Chemie, der Drogensynthese in muffigen Hinterhof-Laboren zuwandten.
Warum das alles, was ist der Vorteil des Chemikers im Kampf Mensch gegen Maschine Zombie? Neben offensichtlich nützlichen Fähigkeiten wie Napalm aus Verpackungsmaterial und Nagellackentferner oder diverse Arten von Sprengstoffen aus Alltagsmittelchen herstellen zu können, sind da auch noch die Taktiken der subtilen, massenvernichtenden Kriegsführung, die nur den innersten Zirkeln geheimer Untergrundorganisationen, die unter dem Deckmantel internationaler Kooperationsverbände agieren, bekannt sind (wie z.B. den Wissenschaftlern am CERN, das darf ich verraten, sind ja Physiker. Die forschen seit Jahren am militärischen Einsatz kleiner schwarzer Löcher. Und beim CERN handelt es sich ja wohl ohne jeden Zweifel um eine Untergrundorganisation...).
Ich erlaube es mir mal aus dem Nähkästchen zu plaudern und eine dieser Methode darzustellen. Schritt eins ist die massenhafte Beschaffung von Magnetbändern aus Audiokassetten. Diese enthalten nämlich als ferromagnetische Partikel und damit als Informationsspeicher Chrom(IV)oxid. Schritt zwei wäre das plündern einer Apotheke. Wem das jetzt ethisch nicht vertretbar ist, sollte daran denken, dass Krieg herrscht und man sich irgendwann sowieso mal Medikamente beschaffen müsste. Man braucht gute Oxidationsmittel, z.B. Kaliumpermanganat. Das haben die meisten Apotheken bestimmt als Desinfektionsmittel noch rumliegen. Damit macht man dann aus dem Chrom(IV)oxid Chrom(VI)oxid. Das hat die wunderbare Eigenschaft, extrem mutagen zu sein und kann somit genutzt werden, um der Evolution ein wenig unter die Arme zu greifen. Dann bestimmt man einfach ein paar Testkandidaten, die das Zeug schlucken dürfen und hofft auf genetische Veränderung, die einen Vorteil im Kampf gegen die Zombies verschaffen (Laseraugen, zwei drei zusätzliche Arme o. ä.). Die positiven Veränderungen werden dann durch organisierten Koitus kultiviert, alle nicht brauchbaren Ergebnisse kann man, sollten sie eine Bedrohung für das eigene Wohl darstellen, an die Zombies verfüttern und hoffen, dass diese sich dabei noch eine Chromvergiftung einfangen. Einziger Nachteil an der ganzen Sache: Das Chrom(VI)oxid ist auch äußerst krebserregend. Man kann also mit Sicherheit davon ausgehen, dass die ursprünglichen Träger der Mutationen recht frühzeitig an Krebs erkranken und auch sterben werden. Aber hey! Ein guter Krieg braucht immer Helden, die sich Opfern. An dieser Stelle sei mal Mr. Spock zitiert: "Das Wohl von Vielen wiegt schwerer als das Wohl von Wenigen, oder eines Einzelnen." Die gängigen Werke der Filmbranche zeigen deutlich, dass sich besonders Amerikaner für dieses patriotische Geplänkel bestens eignen - nur so als Empfehlung.

Zusammenhalt ist wichtig!

Hier ein kurzer Beweis für den Zusammenhalt unter Chemikern. Die meisten sind zwar nicht so gut auf die christliche Religion zu sprechen, die es immerhin schafft seit Jahrtausenden (nicht nur) chemischen Unsinn in ihrer heiligen Schrift zu propagieren. Dort ist nämlich gefühlte 200 Mal die Rede von leuchtend roten Flammen, die auf die Erde nieder regnen, oder feuerroten Seen aus brennendem Schwefel... dumm nur, dass die Flamme, mit der Schwefel verbrennt, blau ist. Dennoch üben sie sich in Nächstenliebe. Wie dieser Aushang am schwarzen Brett zeigt, sind wir immer um die Sicherheit unseres Nächsten besorgt (und das nicht nur um sicherzustellen, dass er uns nicht gleich mit in den Tod reißt, sollte er sich mal aus Versehen in Brand gesetzt haben und wie eine menschliche Fackel panisch durchs Labor rennend die Vorratsbehälter mit den organischen Lösungsmitteln zur Explosion bringen, bevor man es schafft, ihn mit flüssigem Stickstoff zu löschen). Außerdem ist so ein Glumanda echt praktisch, wenn einem mal der Bunsenbrenner ausgeht.


Montag, 14. Januar 2013

Romantik in der Chemie (2)

Wie versprochen wird die herzergreifende Rührseligkeit fortgesetzt. Nach Explosionen, Poetik und chemischen Massenvernichtungswaffen könnte man meinen, der romantische Fundus des gemeinen Chemikers sei erschöpft. Dem ist aber, wie ich im Nachfolgenden dargelegen werde, überhaupt nicht so.
Ein unabdingbarer Punkt im Repertoire eines jeden Verführers sind natürlich Diamanten. Jetzt nehmen wir mal für einen Moment an, man hätte eine wirklich große Menge Geld zur Verfügung. Option eins wäre, einen Diamanten zu kaufen. Das ist aber ziemlich langweilig und außerdem könnte das sogar ein Geisteswissenschaftler hinbekommen, wenn man ihm ein wenig Anleitung gibt und Grundkenntnisse der Mathematik lehrt, damit er an der Kasse auch die richtigen Scheine abgibt. Die interessantere, zweite Option wäre, Flugtickets nach Afrika zu besorgen und während die angebetete Person am Strand in der Sonne liegt, eine Mine im tiefsten Kongo zu kaufen und sich seine Diamanten selbst auszugraben. Das hat schon bedeutend mehr Stil, man muss aber zugegben, dass Geologen hier einen dezenten Vorteil haben könnten (wenn das auch sonst nie der Fall ist). Zusätzlich muss man bedenken, dass das Liebchen in der Zeit, die man Untertage verbringt, den Balzversuchen anderer humadoider Spezies schutzlos ausgeliefert ist. Im großen und ganzen also eine sehr riskante Angelegenheit. Zum Schluss das Beste: Option drei. Man investiert sein gesamtes Geld in Sprengstoff und einen Sack Holzkohle. Letztere zerbröselt man zu Staub, der dann durch die gigantische, die Gewichtskraft der Erdmasse imitierende Druckwelle der Explosion in die Modifikation eines Diamanten überführt wird. Epischer kann man nicht an einen solchen Klunker gelangen. Außerdem hat man in diesem Fall auch noch den "Ich-habs-selbstgemacht-Bonus", den man ausspielen kann (und vertraut mir, der wirkt hier besser als bei den gekrakelten Bildern, die man aus dem Kindergarten kennt). Jetzt machen mir mal wieder eine Schritt zurück in die Realität und stellen fest, dass wir weder genug Geld für eine Diamantmine im Kongo, noch für tonnenweise TNT und noch nicht einmal für einen kleinen Diamantring aus dem nächst besten Juweliergeschäft haben. Verzweifeln? Nicht wenn man Chemiker ist, denn die wissen sich auch in einer solch scheinbar auswegslosen Situation zu helfen. Alles was wir brauchen, ist ein Candle Light Dinner. Wie schon im Post mit dem Titel "Weihnachtsgebäck" dargelegt (der interessierte Leser, möge dort nachschlagen), sind Chemiker sowieso die besten Köche der Welt, es muss also kein teures Restaurant reserviert werden. Der Etat kann daher voll und ganz auf die Auswahl einiger ansprechender Kerzen verwendet werden. Zurecht wird ich der eine oder andere jetzt fragen: "Wo sind denn die Diamanten abgeblieben?" Die Antwort lautet: Sie sind schon auf dem Tisch - vorausgesetzt die Kerzen brennen. Denn der Chemiker weiß, dass in der Flamme einer Wachskerze pro Sekunde über eine Million kleiner Diamanten entstehen. Haken an der Sache: Sie verbrennen auch sofort wieder. Trotzdem sei angemerkt, dass man so bei zwei Kerzen auf einem Tisch mit einer durchschnittlichen Brenndauer von je 30 min jemandem an einem Abend ein Geschenk von über 3,6 Milliarden Diamanten machen kann. Das schafft ein Geologe sein ganzes Leben nicht, egal wie lange er buddelt.
Für alle, die bei solch einem Abendessen jemandem gegenüber sitzen, der sich in der Regel mehr für DSF als für Diamanten interessiert, sei noch erwähnt, dass sich in einer Kerzenflamme auch Buckminsterfullerene finden. Das sind immerhin Fußbälle im Molekularmaßstab!


Buckminster Fulleren, "Buckyball"



Nun genug der Diamanten und Kerzen, wenden wir uns der Welt der Düfte zu. Die Chemie kennt nicht umsonst eine ganze Substanzklasse mit der Bezeichnung "Aromaten". Zugegeben, die meisten davon wollte man sich wohl eher nicht an den Hals sprühen, da sie krebserregend sind oder zumindest im Verdacht stehen, es zu sein. Das nennt man wohl Ironie des Schicksals. Trotzdem gibt es eine unüberblickbare Fülle an mal mehr mal weniger gut riechenden Tinkturen, die - so hoffen wir mal - gesundheitlich unbedenklich sind (zumindest solange man nicht das Pech hat, in die Nähe dieses uns allen bekannten Typs von Frau zu kommen, die scheinbar jeden Morgen ein Bad in Kölnisch Wasser nehmen und daher schon 2 Meilen gegen den Wind olfaktorisch wahrgenommen werden können). Es müssen folglich auch andere Substanzen als Duftstoffe nutzbar sein. Als berühmtes Beispiel picken wir uns ganz bescheiden Chanel No.5 heraus. So ein exquisites Düftchen wird sicherlich eine höchst ausgetüftelte Komposition an unterschiedlichsten Substraten haben, die den Preis rechtfertigt... oder auch nicht. Der wissbegierige Chemiker kam einst auf die Idee, so ein Fläschchen in ein NMR-Spektroskop zu kippen und siehe da: die Kopfnote besteht aus Decanal, Undecanal und Dodecanal. Das sind so derartig einfache Stoffe, dass jeder organische Synthesechemiker zurecht beleidigt wäre, würde man vom ihm verlangen, das Zeug herzustellen. Selbst der Geruch einer einfachen Himbeere ist komplexer....
4-(4-Hydroxyphenyl)-butan-2-on oder auch "Himbeerketon"



Undecanal


Montag, 7. Januar 2013

Romantik in der Chemie (1)

Weil mir heute mal danach ist, möchte ich ein wenig rumsülzen und der ach so interessierten Welt zeigen, was für liebevolle, einfühlsame, künstlerische und zarte Geschöpfe wir Chemiker doch sind. Die gegenseitige sylvesterliche Bombadierung mit explosiven Edelmetallen hatte ich an chronologisch angebrachter Stelle ja bereits erwähnt. Ohne Zweifel gäbe es noch eine schier unendliche Zahl weiterer Substanzen, die  gar nicht anders können, als all die Zuneigung und Liebe, mit der sie hergestellt wurden, in einer gewaltigen Detonation der Emotionen begleitet von einem ohrenbetäubenden Aufschrei der Glückseligkeit zu entladen, die es wert wären, hier genannt zu werden, aber ich will ja nicht, dass es hinterher heißt: "Schatz, es tut mir leid, dass du einen Arm verloren hast....und das Bein....und das, was ich von dir da drüben in der Hecke gefunden habe, wovon ich leider noch nicht weiß, was es mal war. Ich wollte dir doch nur zeigen, wie sehr ich dich mag!" Zu schade, dass sie das nicht mehr hören konnte, weil ihre Ohren in der Dachrinne der Nachbarn hängen.
Bevor ich nun also fortfahre, soll die berechtigte Frage erlaubt sein, wieso es mir überhaupt zustehen sollte, über Romantik zu schwadronieren. Reduzieren wir Romantik mal auf das Körperliche, das Körperliche auf Koitus und den Koitus auf Orgasmen (als Chemiker darf man das, wenn man genügend Elektronen dabei hat), welchen wir wiedrum als "Explosion der Lust" bezeichnen wollen. Bleibt die Frage: Wer macht die besten Explosionen? Richtig, Chemiker ;D
Nun auch genug davon, bevor noch jemand rote Ohren bekommt. Fangen wir mit einem kleinen Gedicht an, einem Limerick, um genau zu sein, denn wie jeder weiß, sind alle Gedichte immer romantisch. Ausnahmen ausgeschlossen.

A mosquito was heard to complain


A mosquito was heard to complain 
That a chemist had poisoned his brain 
The cause of his sorrow 
Was paradichloro 
Diphenyltrichloroethane.
-by Dr. D. D. Perrin
Es ist niedlich, klein und putzig, reimt sich sogar und verbreitet einfach gute Laune beim Lesen. Warum auch nicht? Immerhin ist es dem "para-Dichlorodiphenyltrichloroethane", zu Deutsch "para-Dichlordiphenyltrichlorethan" (kurz DDT) oder wie es in IUPAC, der Geheimsprache der Chemiker, heißt "1,1,1-Trichlor-2,2-bis-(4-chlorphenyl)ethan" gewidmet, einem der übelsten Insektizide aller Zeiten. Wem würde bei dem Gedanken nicht warm ums Herz werden.
Hier die Molekülstruktur dieses herzigen kleinen Todbringers. Zwei Pünktchen dazu gemalt und schon sieht es aus wie ein süßer kleiner Mutantenelch.

Eingesetzt wurde DDT wahrscheinlich am stärksten im zweiten Weltkrieg. Die Soldaten an der Front waren selbstredend mit Wichtigerem beschäftigt, als sich zu waschen oder gar die  Klamotten zu wechseln. Als Representat der stolzen United Nations of the Americas lässt man sich lieber, so wie dieser wackere Kerl hier, mit einem krebserregendem Pülverchen das Brusthaartoupet pudern. Richtig verstanden! Auf dem Bild ist nicht etwa zu sehen, wie jemand zur Unterhaltung des Frontlinienfußvolkes Silikonimplantate injiziert bekommt, nein, viel besser! Eine direkt Bestäubung mit DDT darfs sein, um die vielen kleinen Krabbeltierechen abzutöten, die sich sonst in der nahrhaften, talkigen Schicht, die sich nach tagelangem Kriegsgetümmel zwischen Haut und Uniform bildet, einnisten und Krankheiten übertragen könnten. Vorallem soll es sich um eine bestimmte Läuseart gehandelt haben, die Typhus übertragen konnte. Da fragt man sich doch glatt, wieso er den Puderpüster nicht direkt einen halben Meter tiefer angesetzt hat...

Fortsetzung folgt...(irgendwann)

Samstag, 5. Januar 2013

Sicherheitshinweise.... sind überbewertet

Was bringen einem die modernsten Hightech-Apparaturen (immerhin mit E-Check Plakette), wenn man nicht mal in der Lage ist, die einfachsten Anweisungen zu befolgen?!
Unterstrichen: "kann bei Erwärmung explodieren"
200bar Kohlendioxid, die inhalier ich zum Frühstück! Wer doch gelacht, wenn ich mich von so einer Druckgasflasche mit Hang zur tödlichen Projektilbildung einlullen ließe. Sollte die Gasflasche explodieren, schwing ich mich drauf und reite dem Sonnenuntergang entgegen.